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Bild Atminas

Atminas

Bei einem Spaziergang im Umfeld des Marler Skulpturenmusems stieß Christina Kubisch auf dem nahen Friedhof auf ein Gräberfeld ehemaliger Fremdarbeiter, die während des Krieges in Marler Fabriken gearbeitet hatten und hier verstarben. Die Reihengräber besitzen leicht abgeschrägte, annähernd quadratische Kissensteine aus Anröchter Naturstein, in die Namen und Lebensdaten der Verstorbenen eingraviert sind. Diese schlichten Steine, deren Patina und ihre stille Anonymität inspirierten die Künstlerin zu der Arbeit „Atminas“, nachdrücklich gesteigert durch den zufälligen Fund ähnlicher Grabfelder mit den gleichen Steinen auf Friedhöfen in Lettland.
Christina Kubisch ließ fünf gleich geformte Steine herstellen, reihte sie in einer Nische der Marler Skulpturenhofs nebeneinander, bestrich die raue, schrundige Oberfläche mit gelbgrünem, fluoreszierendem Pigment und brachte am Betonsturz über den Steinen Schwarzlichtlampen an, die das aufgetragene Pigment bei abnehmender Tageslichtintensität grünlich reflektieren lässt. In inneren Hohlräumen der Steine versteckte sie kleine Lautsprecher, in denen eine von der Künstlerin komponierte Klangkomposition in den für sie typischen zirpenden Tönen des hörbar gemachten Ultraschalls leise wispernd erklingt.
Die Arbeit ist ganz von den tageszeitlichen Licht- und Geräuschverhältnissen abhängig und wechselt hierdurch extrem ihren Gesamteindruck. Wirkt sie tagsüber statisch, fest, materiell, fügen die Töne sich ein in die teils natürlichen teils menschlichen Umweltlaute, so wandelt sich ihr Charakter in der Dunkelheit grundlegend: Die feste Materialität der Steine wird aufgebrochen zu einer lichten, kühl strahlenden Transparenz, geheimnisvoll und transzendierend, gesteigert noch durch den isolierenden Eigenwert der feinen und unwirklich klingenden Töne.
Den Namen „Atminas“ entlehnte die Künstlerin spontan nach ihrer dortigen Begegnung mit den Kissensteinen aus dem Lettischen. Das Wort bedeutet im Singular „Gedächtnis, Seele“ und im Plural „Erinnerungen“.
Christina Kubisch gelingt es in dieser Arbeit, den (öffentlichen) Raum durch originäre Erlebnisse in einen anderen, irrealen zu überführen. Sie zwingt den Betrachter durch die formale Anknüpfung an Grabsteine, Geschichte zu reflektieren, sich zu erinnern, aber auch – durch Ultraschall und Schwarzlicht - zu einer emotionalen wie sinnlichen Eigenerfahrung.

Text: Uwe Rüth

 

Verweis: http://www.kunstgebiet.ruhr/kunstform/atminas-erinnerungen

Bilder © Thorsten Arendt
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Christina Kubisch

1948Geboren in Bremen; lebt in Hoppegarten bei Berlin.
  
1967–1968Studium der Malerei bei K.H. Sonderborg an der Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart.
1969–1972Musikstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Bildende Kunst in Hamburg und an der Hochschule für Musik in Graz.
1972–1974Studium an der Musikhochschule Zürich und an der Freien Kunstschule Zürich (bei Serge Stauffer).
1974Übersiedlung nach Mailand.
1974–1976Studium Komposition (bei Franco Donatoni) und Elektronische Musik am Konservatorium Mailand, Diplom.
1974–1980Konzerte und Performances in Europa und den USA. Zusammenarbeit mit Fabrizio Plessi (Videokonzerte, Videoinstallationen).
1980Erste Klanginstallationen und Klangskulpturen;
Elektroakustische Kompositionen.
1980–1981Studium der Elektronik am Technischen Institut Mailand; Beginn der Arbeiten mit magnetischer Induktion.
1987Übersiedlung nach Berlin; Teilnahme an der documenta 8 in Kassel.
1990–1991Entwicklung von solargesteuerten Techniken für Klangskulpturen. Lehrauftrag Kunstakademie Münster. Arbeitsstipendium des Senats für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin.
1991–1994Gastprofessur an der Hochschule der Künste, Berlin.
1994–2013Professur für "Plastik/Audiovisuelle Kunst" an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken.
  
Quellewww.christinakubisch.de
 www.wikipedia.de
Bild Atminas
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Atminas

Standort Skulpturenhof/Eduard Weitsch-Weg, 45768 Marl
Künstler Christina Kubisch
Material Anröchter Standstein, Schwarzlicht, Klangmodule, Zuspieleinheit
Maße 5 teilig, 30 x 30 x 19 cm
Jahr 1991
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